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Foto aus der Produktion F.A.Q.

Frequently Asked Questions

2000, Solo, 25 Min., 9 x 9 Meter

Ein Grossteil der Arbeit war archäologischer Natur, Grabungen am Körper nach Bewegungen die noch nicht ursurpiert sind von der Allüre des klassischen Tanzes. Denn in keiner anderen Tanzart schreibt sich die Technik so in den Körper ein, manifestiert sich so unauslöschbar in der Physis der Tänzer.

Bilder

Foto aus der Produktion 'F.A.Q.'
Foto aus der Produktion 'F.A.Q.'
Foto aus der Produktion 'F.A.Q.'
Foto aus der Produktion 'F.A.Q.'

Über das Stück

Es ist eine Suche nach dem „Vorher“ und dem „Verschütteten“ geworden, ohne aber die Herkunft verleugnen zu wollen. Manchmal ist dabei fast so etwas wie die Erinnerungen einer Tänzerin an ihren Körper entstanden. Ein langer Weg für die Tänzerin und den Choreographen Christoph Winkler der obwohl selbst klassisch ausgebildet, sich nach dem Weggang von der Ballettschule in seiner Arbeit weit von der Ballett-Ästhetik entfernt hat. Aufgrund der ungewöhnlichen Konstellation ist es für beide ein sehr persönliches Stück geworden.

Christoph Winkler - F.A.Q. from Christoph Winkler on Vimeo.

Credits

Choreographie: Christoph Winkler
Tanz: Bettina Thiel
Musik: Mark Spybey

Produktion: Christoph Winkler und Tanztage

Auszüge aus Rezensionen

Ein schonungslos schönes Solo von sublimer Stringenz, das nicht eine Sekunde mit der Klassik kokettiert. Sich erforschend, entdeckt die Ballerina vielmehr das Spektrum des gespeicherten Seins und gibt dabei ihre Erinnerungen preis; ein pulsierender Parameter dessen, was sie alles kann, und dennoch, etwas gänzlich anderes, das neue Erfahrungswerte des Tanzes liefert....ein Kulminationspunkt der Tanztage. Ballett International/Tanz aktuell

Die Zusammenarbeit von Chr. Winkler und B.Thiel gleicht einer kleinen Sensation ... Man könnte glatt ins Träumen kommen was wäre nicht alles möglich wenn ... wenn die Opernhäuser in ihrem Tanzverständnis nicht so beschränkt wären. Mit zärtlicher Widerspenstigkeit und jungenhaft anmutig bot Thiel eine Bewegungssprache an, die ohne Mühe alle Floskeln der klassischen Technik hinter sich ließ, ohne sie zugleich zu denunzieren. Winkler und Thiel sind zu einer vibrierenden Feinheit und Klarheit durchgedrungen, die das Schlingern der Bewegungsimpulse durch den Körper als eine ununterbrochene Schrift im Raum erkennen läßt. - taz

Der freie Choreograph Christoph Winkler ... hat sein Solo „F.A.Q.“ Bettina Thiel der ersten Solistin an der Lindenoper auf den Leib geschrieben. Winkler hat sich von der Ballettästhetik weit entfernt und ihm gelingt beides: Er verbeugt sich vor der wunderbaren Tänzerin und weiß sie doch geschickt für seine Zwecke einzuspannen. Wie er die Form verfremdet und aufsprengt, aus dem stilistischen Korsett ausbricht, den Tanz mit impulsiver Energie impft und mit skeptischer Nachdenklichkeit wappnet – das ist spannungsvoll choreographiert. Ein Solo zwischen Aufbegehren und Innehalten ... Tagesspiegel

Chr. Winkler an der Staatlichen Ballettschule ausgebildet und mittlerweile ebenso rastloser wie produktiver Nachwuchschoreograph hat für B.Thiel ein Solo namens F.A.Q geschaffen ... es geht ums Vermessen des Tanzes, des Körpers und der Möglichkeit auf klassischer Grundlage neue Bewegungen zu kreieren. Die Beine gegrätscht, den Blick gesenkt, steht Thiel in zwei matten Lichtkegeln da und wirkt zugleich hochkonzentriert und unentschlossen, ja desorientiert. B. Thiel beschäftigt sich fast staunend mit der Weichheit ihrer Gelenke. Nur selten gibt es große ballettöse Einsprengsel; meist arbeitet die Tänzerin in autistischer Einwärtsdrehung von Beinen, Arm, Schultern. Das Gesicht bleibt steinern, verschlossen und doch hellwach, und wenn die Arbeit am Boden vor sich geht, wenn Thiel mit wälzenden Drehungen und Nachhallbewegungen Schwung und Kraft der tänzerischen Geste gleichsam in Anführungszeichen setzt, dann wird diese Beschäftigung der klassischen Tänzerin mit ihren ‚eigenen‘ Bewegungen zum packenden Showdown eines stilistischen Tanzkrimis. - FAZ

Christoph Winkler, seit 1998 freier Choreograf mit starkem Interesse am zeitgenössischen Tanz, hat bereits mehrfach sein Talent als Aufspürer von Format bewiesen. Für sein knapp halbstündiges Solo „F.A.Q.“ konnte er mit Bettina Thiel, Erste Solistin an der Lindenoper, eine Ballerina von Rang gewinnen. Das Winkler sie betont antiakademisch einsetzt, macht den einen Reiz aus. Den anderen steuert seine erfindungsreiche Choreographie bei. Sie nutzt den vollendet geschulten, ungemein organisch agierenden Körper als Steinbruch für die Suche nach ungewöhnlichen Bewegungsmöglichkeiten. Vom Kopf über Nacken, Schulter, Arme und Torso bis zu den Füßen scheint jeder Muskel zu tanzen, blinken kurze karge Abläufe auf, brechen ab, wiederholen sich und fügen sich zu Bausteinen einer unorthodoxen Sprache. Wie delikat und konsequent Bettina Thiel ihre Recherche im schwarz grundierten Raum präsentierte, erhob den Beitrag zum Glanzstück des Abends. - Berliner Morgenpost

In der selben Art ist die Choreographie von Winklers FAQ mit der Tänzerin Bettina Thiel der pure zeitgenössische Tanz. Das Talent der Balletttänzerin erweist sich durch schlichte und präzise Interpretation. Jede einzelne Geste gehorcht einer Technik, bei der Strenge das Hauptwort ist. Hier geht es um eine Forschungsarbeit über den Körper, die Art sich zu verwandeln mit jeder Bewegung dieser rigorosen Choreographie, die extrem viel Training und eine Höllendisziplin erfordert. Man ist weit entfernt von der ironischen französischen Schule. Hier ist Tanz wie eine sakraler Akt, von beschwörenden Geste transzendiert. Eine akribische Erforschung des Körpers wo die freie Bewegung die Sprache erstickt. Es ist schön und stark. Le Renouveau, Tunis

Dazu gehörte auch Christoph Winkler aus Berlin, der mit „F.A.Q.“ für die Primaballerina Bettina Thiel ein Solo choreographiert hat, das die abstrakte Bewegung zu einem geradezu poetischen Ensemble verbindet. „Archäologisch“ nennt er seine Herangehensweise, die im Körper nach vergessenen Bewegungen sucht. - Kölner Stadtanzeiger/Allgäuer Zeitung/General Anzeiger

…oder Bettina Thiel, Solotänzerin der Deutschen Staatsoper Berlin, die in dem von Christoph Winkler für sie choreographierten Solo F.A.Q. als moderne Tänzerin beeindruckt, wenn sie mit ihren langen Gliedern in kontrolliert schlaksiger Art ihre Bewegungen in den Raum zieht, sie wieder zu sich zurückholt, Körperteile ab-, ein- oder wegknicken lässt, eine Art Spitzentanz auf halber Spitze vollführt. - Tanzdrama