Maldoror

Maldoror

Amped

2011, Solo

Über das Stück

Maldoror gilt als eine der literarischen Inkarnationen des Bösen schlechthin, 1874 als einziges Werk des französischen Dichters Lautréamont erschienen. Für den Literaturnobelpreisträger Maurice Maeterlinck ist er “ein schwarzer, zerschmetterter Erzengel von unsagbarer Schönheit”, der zahlreiche Elemente des späteren Surrealismus vorweg nimmt.

Christoph Winkler nähert sich der Figur des Maldoror zusammen mit U-Gin Boateng, einem der profiliertesten Krump und New Style Tänzer Deutschlands. Gemeinsam gehen sie den Überschneidungen nach, die es zwischen diesem fiktionalen Wesen und den typischen Charakteren der afroamerikanischen HipHop Kultur gibt.

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credits

Konzept: Christoph Winkler | Tanz: U-Gin Boateng | Produktionsdramaturgie: ehrliche Arbeit - freies Kulturbüro | Kamera Walter Bickmann Tanzforum Berlin

Eine Produktion von Christoph Winkler. Gefördert durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin - Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten. Mit freundlicher Unterstützung von Phase7.

Termine

  • 28. - 30. Oktober 2011, 20:00
    Uferstudios Berlin, Studio 14
    Uraufführung

    Uferstudios, Studio 14 – Uferstraße 23
    U8 Pankstraße / U9 Nauener Platz
    Karten: 13 € / erm. 8€
    Karten unter 030- 409 83 195, tickets@ehrlichearbeit.de oder www.reservix.de

Pressauszüge

[...] der Künstler Eugene Boateng hat einen geglückten Crossover zwischen Maldoror und dem HipHop auf die Theaterbühne [...] hingelegt. Gar nicht steril war die Aufführung des jungen Künstlers. Gleich zu Beginn, wo er allmählich aus dem Dunklen der Bühne tritt, ist seine körperliche Präsenz enorm. Eine Stunde schweißtreibende Schwerstarbeit bekommt der Zuschauer zu sehen. Tanz, Theater und HipHop gehen hier eine einmalige Ver-bindung ein. – der Freitag

Selten sieht man einen Tänzer so sehr schwitzen wie U-Gin Boateng, selten nimmt man Tanz so sehr als Kampf eines Körpers wahr wie in diesem beeindruckenden Solo. Boateng ist in Düsseldorf aufgewachsen, hat dort Theater gespielt und in der HipHop- und Krumpszene getanzt und Preise gewonnen. In deren Battles ist er geübt, da ist alles auf Kraft gestellt, ein sehr exaktes Muskelspiel, die Battles gehen zeitlich aber oft nur über eine kurze Distanz. 60 Minuten lang im Scheinwerferlicht präsent zu sein, war für ihn eine ungeheure Herausforderung und aus dieser körperlichen Anstrengung, einem Kampf um das Durchhalten, gewinnt das Solo eine ungewohnte physische Präsenz.

Man sieht dem schwarzen Tänzer dabei bei mächtigen Verwandlungen zu. Aus den coolen und attraktiven Posen der Entertainer fällt er plötzlich heraus und mutiert zum Tier, zum Affen oder zum Kraken, bis das Animalische wiederum in ganz abstrakte Bewegungen von einer eigenen Schönheit übergeht. Das symbolisch aufgeladene Körperbild wechselt dabei mit Bewegungen, die nur ihrer eigenen Logik folgen. Doch während der Tänzer lange Herr dieser Mutationen scheint, ein Virtuose der Verwandlung, wird es spannender und quälender in jenen. Momenten, in denen er nicht mehr die Kontrolle über die Bilder, die ihn besetzen, zu haben scheint, sondern die Imaginationen ihn jagen und bedrängen. Man könnte daran einen Diskurs über Fremdzuschreibungen, Identität und Klischee anknüpfen. Wer sich im Gangsta-Rap auskennt, wird in der Performance vermutlich andere. Kontexte wiederfinden als Kenner der Dichtung von Lautréamont. Viele Zuschauer kennen wahrscheinlich weder das eine noch das andere, die Vorstellung funktioniert trotzdem.
- taz.

So kommt das Stück ohne bzw. mit sehr wenig Musik aus und lässt U-Gin als Solist über eine Stunde lang in der Paraderolle des Verwandlungskünstlers brillieren. [...] Geradezu faszinierend wie er sich langsam hineinsteigert in der ihn umgebenden Stille, überraschend anfängt zu singen und sich während des Stücks dutzende Male in verschiedene Gefühlslagen bringt, schlagartig von beschwingt auf bösartig umschaltet. Ja, es ist eine „böse Unterhaltung” die Christoph Winkler hier auf die Bühne bringt. U-Gin trägt das Böse in sich und ab und zu blitzt es zähnefletschend aus der geselligen Tarnung hervor, aber ausbrechen lässt Christoph Winkler das Böse nie.
-Dance Unity – International Urban Dance Community