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Foto aus der Produktion Studies on Post-Colonialism

2016, Series

Die Serie von Kurzchoreografien durchleuchtet weiße Vorherrschaft in einem Genre, das für seine Internationalität gerühmt wird. Doch auch im zeitgenössischen Tanz sind post-koloniale Strukturen vielschichtig und oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Warum ist von African Contemporary, aber nicht von European Contemporary Dance die Rede? Stillschweigend wird die westliche Auffassung zur Norm erklärt und zeigt: Auch der zeitgenössische Tanz wird von Dominanz und Privilegien gezeichnet, die einen weißen Erfahrungshintergrund ins Zentrum rücken.

Bilder

Foto aus der Produktion 'Studies on Post-Colonialism'
Foto aus der Produktion 'Studies on Post-Colonialism'

Über das Stück

„Eigentlich gibt es gar keinen Unterschied zwischen dem Willen der nächtlichen Macht und dem Willen der Toten. Die nächtliche Macht verdankt ihre Existenz und ihren Fortbestand eine Reihe von Transaktionen mit Toten, deren Träger sie ist und die sie zum Träger ihres Willens macht.“ - Achille Mbembe

 

Die kolonialen Tragödien der letzten Jahrhunderte ausgelöst von einem imperialen Europa sind wohlbekannt und gerade von Achille Mbembe in „Die Kritik der schwarzen Vernunft“ wieder erzählt worden. Die Effekte des Postkolonialismus hingegen sind oft nicht auf den ersten Blick erkennbar. Sie sind vielschichtiger und erfassen Kultur genauso wie ökonomische Realitäten. Und sie wirken in beide Richtungen. Doch auch hier geht es um Dominanz und Privilegien in unterschiedlichen Einflusssphären – so auch im zeitgenössischen Tanz. Ein Großteil der Techniken, Stile und Praktiken, die in Europa und den USA der 1960er Jahre entwickelt wurden, dominieren heute das, was wir ganz selbstverständlich „Zeitgenössischer Tanz“ nennen. Die heutige Praxis vieler Tänzer-innen wird informiert durch Kategorien wie „Vertrauen“, „Verantwortung“ oder „Emanzipation“. Sie findet statt in einer Arbeitsstruktur die sich an Hierarchien abarbeitet und kollektive Dynamiken favorisiert. Deren Grundlage ist jedoch eine künstlerische Praxis, die auf einem „weißen“ Erfahrungshintergrund basiert (anders als etwa der urbane Tanz). Das ist nicht anders für viele der nichtdeutschen TänzerInnen, mit denen ich zusammenarbeite und die oft aus ehemaligen Kolonien kommen oder über ihre Familien dahin verbunden sind. Zeitgenössischer Tanz ist die Referenz aber oft findet dessen Appropriation ihren Ausdruck in einer Körperlichkeit, die sich ihrer Quellen nicht bewusst ist oder selten hinterfragt wird. Dies gilt in gleichem Maße für den eigenen Ansatz oder die Sicht auf das was ein für uns ein zeitgenössisches Tanzstück ausmacht. Nach vielen Diskussionen mit außereuropäischen TänzerInnen und ChoreografInnen werden in den nächsten Jahren unter dem Titel „Studies on Post-Colonialism“ eine Serie von Stücken erarbeitet, die sich in unterschiedlichster Form mit dieser Thematik beschäftigen. Geplant ist ein Format, dass nicht nur aus abendfüllenden Produktionen besteht sondern kleinere Arbeiten thematisch an einem Abend verbindet. Dies ermöglicht unterschiedliche Kombinationen der Stücke ohne den Zwang einer abschließenden, finalisierenden Version. Jede der einzelnen Arbeiten ist als Kollaboration zwischen den darstellenden KünstlerInnen und Christoph Winkler ausgelegt.

Credits

Konzept, Choreografie: Christoph Winkler | Tanz, Choreografie: Raha Nejad, Dominique Rosales, Ahmed Soura, Aloalii Tapu, Naishi Wang | Ausstattung: Lena Mody, Valentina Primavera  | Technische Leitung: Martin Pilz | Produktionsdramaturgie: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro.

Ein Projekt von Christoph Winkler und ehrliche arbeit - freies Kulturbüro in Koproduktion mit SOPHIENSÆLE und monsun.theater Hamburg. Gefördert aus Mitteln des Regierenden Bürgermeisters von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten sowie durch das Nationale Performance Netz (NPN) Koproduktionsförderung Tanz aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags. Medienpartner: taz.die tageszeitung.

Individual Studies

Dancing Like a White Guy

The Lion and the Dragon

Can Asians Dance

Seeing Alvin Ailey

Persisches Haar

Presseauszüge

Ein Trendthema zu bedienen und zugleich dem choreografischen Chic zu trotzen: das ist die Stärke von Christoph Winkler, der seit 1998 unermüdlich Stück um Stück auf die Berliner Bühnenbretter zimmert. Mit “Five Studies on Post-Colonialism” schließt er, wie schon mit dem von ihm erdachten “Witch Dance Project”, zeitgemäß an die Weiterung der westlichen Wahrnehmung an, die mit dem Projekt Postkolonialismus zu begreifen lernt(e), dass die US-europäische Weltsicht nicht die einzig gültige ist. Gespür für Zeitgeist und formaler Eigensinn kennzeichnet auch die “Five Studies”. In drei der fünf Halbstünder wird ‚nur’ getanzt – erfrischend in der eher Performance-lastigen Berliner Tanzszene. Die anderen beiden Stücke spielen in Comedy-Manier mit verbalem Stereotyp-Schlagabtausch, und doch steht auch dort die Bewegung im Zentrum.
Kalauernder Klischee-Kontest – Elena Philipp, tanzraumberlin.de

Termine

  • 6. – 10. Dezember 2016 Sophiensaele

    Dienstag 6. Dezember 2016, 19 Uhr, Studies 1 bis 5
    Mittwoch 7. / Freitag 9. Dezember 2016, 19 Uhr, Studies 1 bis 3
    Donnerstag 8. / Samstag 10. Dezember 2016, 19 Uhr, Studies 4 und 5

    Sophiensaele, Sophienstr. 18, 10178 Berlin
    Karten: 030 283 52 66 | sophiensaele.com

     

    Study 1: Can Asians Dance? mit Naishi Wang | Study 2: Seeing Alvin Ailey mit Dominique Rosales und Ahmed Soura | Study 3: Persian Hair mit Raha Nejad | Study 4: Dancing Like a White Guy – The Goldberg Variations (dedicated to Steve Paxton) mit Aloalii Tapu | Study 5: The Lion and The Dragon mit Naishi Wang und Ahmed Soura.