Klangkrieg

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Am 1. März 1996 durchbrach ein ohrenbetäubender Lärm die Stille der idyllisch gelegenen “Insel der Jugend”, einem Jugendklub im ehemaligen Ostteil der Stadt. Klangkrieg Produktionen erblickte das Licht der Welt. Geburtshelfer war der japanische Noise Musiker Merzbow und das war mehr als nur ein Statement in der Techno Stadt Berlin. Es war ein Bekenntnis zum Experiment. Gegründet wurde Klangkrieg von Christoph Winkler und Janet Krenzlin zunächst als Konzert und Partyreihe für Musik die es schwer hatte gehört zu werden. Die Veranstaltungen waren immer überraschend in ihrer Programmatik da verschiedenste musikalische Konzepte aufeinandertrafen. Verwirrung gehörte zum Konzept. In einer Zeit in der in Berlin fast ausschließlich Techno zu hören war, konnte man sich bei den Klangkriegen nie sicher sein was einen erwarten würde. Beat Jünger warteten umsonst auf den Break und Noise Fans wurden mit anarchischer Diskomusik konfrontiert. Es kamen zwischen 5 und 500 Leute aber alle die dabei waren hatten das Gefühl an etwas Außergewöhnlichem teilzuhaben. Diese Mischung inspirierte auch die Musiker und so kam es oft zu ungewöhnlichen Soundclashs während der Shows. Innerhalb kürzester Zeit wurden die „Klangkriege“ fester Bestandteil der Berliner Musikszene. Besonders viele junge Musikfans kamen zu den Veranstaltungen. Daraufhin wurde der Verein „Jugend hoert“ e.V. und ein Label gegründet. Der Verein ermöglichte es jungen Menschen Konzerte für ihre Lieblingsbands zu organisieren. So gab es zahlreiche Konzertreihen in Klubs wie dem Bastard im Prater, der Maria oder der Insel der Jugend. Der Verein sorgte auch dafür das Szenen wie die Gabba Nation oder Breakcore Fans die Möglichkeit bekamen ihre Parties zu feiern. So organisierte Klangkrieg mit „International Underground“ ein Treffen für die internationale Hardcore Szene im Rahmen der Fuckparade. 
Klangkrieg arbeitete aber auch mit zahlreichen Institutionen wie dem Podewil und der Volksbühne zusammen. Kuratierte Festivalfomate wie das „Avant Pop“ und „Yaburitsugi“ Festival öffneten nicht nur die Institutionen für die verschiedenen Szenen von experimenteller Popmusik sondern brachten diese Künstler auch mit Musikern der elektronischen Avantgarde zusammen. 

Das Label Klangkrieg Productions folgte mit seinen Releases der Idee der Veranstaltungen und veröffentlichte ein weites Spektrum von Musik. Für mehrere Jahre arbeitete Christoph Winkler parallel als Choreograf und als künstlerischer Leiter von Klangkrieg. Ab einem bestimmten Zeitpunkt war die Doppelbelastung nicht mehr zu schaffen und so wurde Klangkrieg 2003 aufgelöst. Das besondere Verhältnis von Christoph Winkler zur Musik ist aber in seiner choreografischen Arbeit bis heute spürbar. 

„Klangkrieg wurde gegründet weil wir alle Musikfans waren. Es war zunächst die Verlängerung unseres Wohnzimmers in die Klubs. Mitte der neunziger Jahre war Techno müde geworden. Überall der gleiche Beat, stundenlang. Dabei vermissten wir all die andere aufregende Musik. So begannen wir ein paar Bands einzuladen und waren dann überrascht wie viele Gleichgesinnte es gab. Es ist förmlich explodiert. Die Leute waren bereit dafür. Man muss sich das mal vorstellen: wir hatten Shows mit kaum hörbaren Violinklängen zur Primetime in den Klubs. Die Menschen saßen alle auf dem Dancefloor und hörten zu. Und danach legte ein Breakcore DJ auf und dieselben Leute rasteten aus. Heute ist ein diverses Booking viel eher akzeptiert aber damals war das in Berlin etwas ziemlich neues.“ CHRISTOPH WINKLER