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Foto aus der Produktion Speak Boldly: The Julius Eastman Dance Project
© Jermain T. Raffington

in Zusammenarbeit mit dem Zafraan Ensamble

2018, 7 TänzerInnen

Unter besonderer Berücksichtigung der Werkgeschichte von Minimal Music und zeitgenössischem Tanz übersetzt Christoph Winkler drei Stücke Eastmans – "Gay Guerilla", "The Holy Presence of Joan d’Arc" und "Femenine" – mit internationalen Gästen in eine Choreografie, die sich auf die rhythmischen Aspekte und die Programmatik von Eastmans Musik konzentriert. Welche Inspirationen hätte der Tanz aus Eastmans Werk ziehen können, wenn er Teil des musikalischen Kanons geworden wäre?

Bilder

Foto aus der Produktion 'Speak Boldly: The Julius Eastman Dance Project'
Foto aus der Produktion 'Speak Boldly: The Julius Eastman Dance Project'
Foto aus der Produktion 'Speak Boldly: The Julius Eastman Dance Project'
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Foto aus der Produktion 'Speak Boldly: The Julius Eastman Dance Project'
Foto aus der Produktion 'Speak Boldly: The Julius Eastman Dance Project'
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Über das Stück

Das Projekt ist eine musikalisch-choreografische Auseinandersetzung mit dem Werk des 1990 verstorbenen afroamerikanischen Komponisten Julius Eastman unter besonderer Berücksichtigung der Werkgeschichte von Minimal Music und zeitgenössischem Tanz. Es erweitert das Spektrum des bekannten Kanons für musikalische inspirierte Tanzwerke der Minimal Art und ergänzt es um eine bis jetzt kaum gehörte Stimme. Um dies zu ermöglichen bringt es mehr als 20 Künstler mit verschiedensten kulturellen Hintergründen zusammen. J. Eastman, geboren 1940 in Ithaca New York, war eine der seltenen Mehrfachbegabungen der Musikgeschichte. Er war Musiker, Komponist, Sänger und Tänzer. Bereits als Kind erhielt er Klavierunterricht und begann wenig später eine Tanzausbildung. Er verfügte über eine außergewöhnlich tiefe Singstimme. Sehr schnell sorgte sein Talent für viel Aufsehen. Dementsprechend arbeitete er mit so unterschiedlichen Künstlern wie Morton Feldman, Pierre Boulez, Meredith Monk oder Arthur Russel. Seine Kompositionen wurden erfolgreich in Amerika und Europa aufgeführt. Als offen schwuler Afroamerikaner in einer von Weißen dominierten Kunstform gelang es ihm allerdings nicht wirklich Teil der Szene zu werden. Er starb vereinsamt und obdachlos nach einer langen Phase des Drogenmissbrauchs. Mit ihm ging auch ein Großteil seiner Kompositionen verloren. Dank zahlreicher Rekonstruktionen wird sein Werk in den letzten Jahren wiederentdeckt und international gefeiert. Mit diesem Projekt versuchen wir nun für drei Stücke Eastmans "Gay Guerrilla", „The Holy Presence of Joan d‘Arc“ und „Femenine“, eine choreographische Übersetzung zu finden die sich verstärkt auf die rhythmischen Aspekte und die Programmatik seiner Musik konzentriert. Dabei gehen wir von der hypothetischen Frage aus: Was wäre gewesen wenn Eastman Teil des musikalischen Kanons geworden wäre? Welche Inspirationen hätte der Tanz aus seiner Version ziehen können?

TRAILER

Christoph Winkler - Speak Boldly - The Julius Eastman Dance Project | Trailer from Christoph Winkler on Vimeo.

Credits

Künstlerische Leitung: Christoph Winkler | Von und mit: Aloaii Tapu, Jahra 'Rager' Wasasala, Karima Amrani, Lois Alexander, Lisa Rykena, Zen Jefferson, Christofer Medina  | Co-Choreographie für Feminine: Zen Jefferson | Musik: Zafraan Ensemble & Guests | Arrangement: Clemens Hund-Göschel | Produktionsleitung: Laura Biagioni | Lichtdesign, Technische Leitung: Claes Schwennen | Bühnenbild: Valentina Primavera | Kostümbild: Raki Fernandez  


Eine Produktion von Company Christoph Winkler. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds, von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa und der Augstein-Stiftung. Medienpartner: taz. die tageszeitung 

Ticket: https://sophiensaele.reservix.de

 

PRESSEAUSZÜGE

„Julius Eastmans Minimal Music, live gespielt vom Zafraan Ensemble, hat kaum etwas von der oft eingängigen, vorhersehbaren Gefälligkeit von Philipp Glass oder Steve Reich, ist überraschender, vielfältiger, auch zerrissener und voller emotionaler Spannungen. In einem der Stücke “Gay Guerilla” werden auf vier Flügeln immer gleiche pochende Töne gespielt, in sich überlagernden Reihen und Ketten und diese Tonreihen geraten immer wieder ins Stolpern, wie bei einem Herzflimmern, einer Herzrhythmusstörung. “The Holy Presence of Joan D’Arc”, hier von sieben Celli gespielt, ist eine fiebrige, übernervöse, dauererregte Musik, ohne Ruhe und Gelassenheit, von fast wütender Verbissenheit. Die Musiker des Zafraan Ensembles spielen das großartig, wie auch das letzte Stück des Abends, den 70-Minüter “Feminine”, eine trancegleiche Reise, in der durchgehend ein kaum variiertes Glockenspiel erklingt, die immer gleichen 15-20 Töne hier am Vibraphon angeschlagen und umspült von zwei Klavieren, Celli, Saxophon und Flöte. Das ist wie ein startendes Triebwerk und wie Einsinken in Treibsand und das ist in höhere Sphären ausgerichtet – Eastman hat diese Musik als den Moment bezeichnet, “in dem die Engel den Himmel öffnen” und das passt.” (…) Christoph Winkler (…) bietet Freiräume, lässt seinen sieben Tänzerinnen und Tänzern ihre Individualität, die Freiheit zu Improvisation und vor allem Emotionalität – sie reagieren bebend und pulsierend, oft ungebunden durch den Raum treibend, wie Pulsare oder unberechenbare Kometen auf Wanderschaft. RBB KULTURRADIO, Frank Schmidt

"Was ihn als Choreografen auszeichnet, ist seine große Neugier auf Bewegungsstile sowie seine ebenso große Fähigkeit, jungen Talenten, die eher jenseits der subventionierten Bühnen unterwegs sind, eine Plattform zu geben und sie für den Markt zu etablieren. Ob er es darf oder nicht: Er macht es. Erfolgreich. Eastman also." - TAGESZEITUNG, Astrid Kaminsky „Eine Woche später und die Töne vibrieren noch immer nervös und ausdauernd in meinem Kopf, haben sich mitsamt der Virtuosität ihrer Wiedergabe (Zafraan Ensemble & Guests) in mein zentrales Nervensystem und von dort in die Erinnerung gesägt. Vier Flügel und fünf Tänzer*innen, sechs Celli und zwei Tänzerinnen, zwei Klaviere, zwei Keyboards, zwei Celli, ein Vibraphon, zwei Saxophone, eine Flöte und sieben Tänzer*innen. Bewegungssprachen, die fast beiläufig Trennlinien zwischen Kunst und Magie einreißen und daran erinnern, dass Musik unsichtbare Wellen durch den Raum schickt. Unter all dem liegt Vieles, das sich meinem Wissen entzieht, wenn die Tänzer*innen zwischen Ritual und Form, zwischen Klassik und Pop lässig twerkend und bouncend, dann pathetisch mit hoch aufgerissenen Armen und ausgebreiteten Fingern durch dieses Konzert powern und gerade als ich denke, ich möchte mehr davon sehen im (weißen, eurozentristischen) zeitgenösischen Tanz – mehr Magie – bleibe ich noch hängen an den Nicht-Tänzerkörpern der Musiker*innen, deren Schultern synchron wippen. Du sagst Philip Glass, ich sag ab jetzt nur noch Julius Eastmann. VIEREINHALB SÄTZE, Alexandra Henni

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