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Foto aus der Produktion Fatal Attractions

2002, 60 Min., 14 x 12 Meter

Tanzstück nach Motiven aus "Titus Andronicus" von W. Shakespeare

Bilder

Foto aus der Produktion 'Fatal Attractions'
Foto aus der Produktion 'Fatal Attractions'
Foto aus der Produktion 'Fatal Attractions'
Foto aus der Produktion 'Fatal Attractions'
Foto aus der Produktion 'Fatal Attractions'

Über das Stück

Der Begriff des "Körpers" ist ähnlich wie der des Subjekts ein fragiles Konstrukt, das zu verschiedenen Zeiten Verschiedenes bedeutet. Was wir meinen, wenn wir „unser Körper“ sagen, bleibt abhängig von den verschiedenen Formen seiner Konditionierung - vereinfacht als hygienisch, psycho/pharmakologisch oder chirurgisch beschrieben - und deren auffällige Effekte beeinflussen auf entschiedene Weise unser Bild von uns selbst.

Nach der Entschlüsselung des menschlichen Genoms scheint nun eine Vision auf, die weit über bisherige Konditionierungen des Körpers hinausreichen könnte und die Frage zuspitzt: Wie weit werden wir gehen?

Wie in vorangegangenen Arbeiten nimmt Christoph Winkler die Situation zum Anlaß, bestimmte bereits existierende Phänomene zum Thema zu betrachten – in diesem Fall Phänomene wie Zerstückelung und Apotemnophilia (Liebe zur Amputation). Nicht um deren Beschreibung willen, sondern um aus ihnen eventuell eine Tendenz für Zukünftiges zu erahnen.

Credits

Choreographie: Christoph Winkler
Interpreten: Florian Bilbao, Sven Walter, Miriam Kohler, Anna Luise Recke, Ingo Reulecke, Odile Seitz, Peggy Ziehr
Musik: Mathis Mootz

Produktion: Christoph Winkler, gefördert durch HauptstadtKulturfonds

Auszüge aus Rezensionen

Christoph Winkler dekonstruiert Shakespeare – sehr gekonnt ...Weitaus gelungener aber noch ist die Übertragung des im dramatischen Gedicht erzählten Schreckens in tänzerische Formen, in choreographische Raumlösungen... In dieses Doppelspiel ... trägt der Choreograph nun ein tänzerisches Material ein, dessen atomisierte Struktur zu dem wohlkonturierten Gesamtbild kaum passen will ... Winklers unheimliches Experiment erschließt neue Dimensionen für einen Tanz, der klassische oder zeitgenössische Klischees nicht mehr bedienen will, ohne sich deshalb zur bloßen Bebilderung herzugeben. Es greift Shakespeares Blutrunst auf und kombiniert sie mit aktuellen Themen der Körperambivalenz. - FAZ

Ein intelligenter Visionär ist er, der den Tanz auflöst, ohne ihn zu hintergehen, der nachfragt, wie weit der Körper gehen darf oder kann ... sein Stück keine Horror-Show, sondern ein packendes, minimalistisches Tanzdrama vom Feinsten über den Wahnsinn im Menschen ... Kein Pathos ziert die perfekten Bewegungsmechanismen. Verstört, verquer, verstümmelt sind sie in ihrer gewollten Unvollkommenheit ... Eine fatale Anziehungskraft geht von diesem Stück aus – und man wünscht, dass es in Zukunft so manche große Bühne erklimmen mag. - Berliner Morgenpost

Selten kann man im Tanztheater eine solche gedankliche Schärfe wie in Winklers Choreographie erleben, die mit zwei Schauspielern und fünf Tänzern den Vibrationen eines ambivalenten Körperbildes nachspürt ... dabei steigern sich Winklers Darsteller in fesselnde Eigenheiten hinein, allen voran Ingo Reulecke, dessen irrlichternde Luftschrauben die Welt der Schwerkraft mit einem trunkenen Fragezeichen versehen. Ein faszinierender Tanzabend, der die dunkle Lust in abstrakten Formen entdeckt. - Tagesspiegel

So gelingt es Winkler mit seinem großartigen Tänzer-Schauspielerensemble von Phänomenen wie Zerstückelung und Amputationslust zu erzählen ... - taz

Man sieht sieben Tänzer, bei denen jede neue Positionierung im Raum ein verändertes Spannungsverhältnis erzeugt, ohne dass man sich erklären kann, wie das funktioniert. - Tip