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Foto aus der Produktion La Fille
©GerhardLudwig

Portrait eines Kindes

2015, Solo, 60 Min.

"La Fille - Portrait eines Kindes" ist ein sehr persönliches Solo über eine schwierige Vater-Tochter Beziehung.

Bilder

Foto aus der Produktion 'La Fille'
Foto aus der Produktion 'La Fille'
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Foto aus der Produktion 'La Fille'
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Über das Stück

In seiner neuen Arbeit setzt sich Christoph Winkler mit einem schmerzhaften Moment seines Lebens auseinander: wegen starken Verhaltensauffälligkeiten zog seine Pflegetochter früh zuhause aus um in einer therapeutischen Wohneinrichtung einen besseren Umgang mit ihrer Bindungsstörung zu finden. Das bisherige Leben, der Traum von einer glücklichen Kleinfamilie geriet aus den Fugen. Aus dem Versuch heraus zu verstehen und zu akzeptieren rekonstruiert C. Winkler seinen, den väterlichen Blick der zwischen Anteilnahme und Beobachtung changiert, um damit das Porträt eines Kindes zu zeichnen, dass sich rüstet vor der Angst, zu viel Nähe zuzulassen.

 

Als Referenz für diese sehr persönliche Choreografie dient dabei das Ballett "La fille mal gardée – die schlecht behütete Tochter" aus dem Jahr 1789. Die Leichtigkeit der Gesten und die Spielfreude des Originallibrettos werden von der jungen Tänzerin Emma Daniel aufgegriffen um einen Ausdruck für die emotionale Zerrissenheit des Mädchens, der Tochter, zu finden und geben dem Stück zeitliche und akustische Struktur.

Trailer

Christoph Winkler - La Fille - Portrait eines Kindes | Trailer from Christoph Winkler on Vimeo.

Credits

Konzept: Christoph Winkler | Von und mit: Emma Daniel | Dramaturgische Assistenz: Marie Urban | Bühnenbild & Kostüme: Lena Mody & Valentina Primavera  | Technik: Florian Guist  | Musikadaption: Tian Rotteveel  | Produktionsdramaturgie: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro | Produktionsassistenz: Marie Golüke  | Öffentlichkeitsarbeit: Kerstin Böttcher  | Kommunikation: k3berlin 

Eine Produktion von Christoph Winkler und ehrliche arbeit – freies Kulturbüro in Kooperation mit dem Ballhaus Ost. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und dem Regierenden Bürgermeister von Berlin - Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten. Mit freundlicher Unterstützung von Phase7. 

Presseauszüge

Der Berliner Choreograf Christoph Winkler, Spezialist für extreme Stoffe von Linksterrorismus ("Baader", 2011) bis Neonazi-Spießertum ("RechtsRadikal", 2013) hat ein intimes Stück gemacht, und ein sehr persönliches dazu.

Mit "La Fille", an diesem Wochenende im Berliner Ballhaus Ost zu sehen, erzählt Winkler die Geschichte seinerPflegetochter, die auch seine eigene Geschichte ist. Der Hahn, die Henne - auf der Bühne stehen sie stellvertretend für dieleiblichen Eltern. Deren Dauerkrise beschädigt das Kleinkind so, dass es sich nicht mehr davon erholt. Der Pflegevater kanndie Traumatisierung trotz allerbester Vorsätze nicht auffangen, das Mädchen gleitet unaufhaltsam in aggressives, schließlichpsychotisch gefärbtes Verhalten ab. "Bindungsunfähig" lautet die amtsmedizinische Diagnose.

Die Tänzerin Emma Daniel ist "La Fille", und das mit Haut und Haar. Mutterseelenallein kämpft sie sich durch das familiäre Kriegsgebiet, ein nach Zuneigung heischendes, schmollmundig verstörtes Gör, zuletzt ein hyperaufsässiges Mündel. Ihrganzer Körper bebt vor Zorn und Schmerz, bis sie zur Gegenoffensive ausholt: Wieso leiden, wenn man andere leidenmachen kann? Dass die Wendung vom Opfer zum Täter aus schierer Ohnmacht geschieht, entschärft ihre zerstörerische Wucht nicht. Winkler und Daniel schildern den Rollenwechsel in rabiaten Episoden - Tanztheater, wie von Strindberg erdacht. - Süddeutsche Zeitung

Emma Daniel tanzt mit der Anmutung einer klassischen Ballerina, leicht hingetupft und doch immer wieder rasend schnell ins tiefePlié sinkend: ein Auftritt, der sich sehen lassen kann und doch stets etwas Verstörendes hat, wenn sich eine «schöne» Bewegung unvermittelt in ihr Gegenteil verkehrt. Christoph Winkler konterkariert die Ballettüberlieferung und legt in «La Fille» auf die Geschichte von der «schlecht behüteten Tochter» die Folie der eigenen, überaus leidvollen Erfahrung als Pflegevater eines Mädchens,dem die Psychologen in einer späteren Entwicklungsphase eine Bindungsstörung attestieren: das «Portrait eines Kindes», das man leicht als allzu private Befindlichkeit abtun könnte.

Doch im Verein mit Emma Daniel gelingt dem Konzeptkünstler das Paradebeispiel einer Problematik, die bei aller Überformung immer erkennbar bleibt. Denn Emma Daniel ist wandlungsfähig wie kaum eine andere. [...]Dass [die Geschichte der Tochter] nicht als Stück Papier endet, sondern leibhaftig wird in einem exemplarischen, in vielerlei Hinsicht erregenden Solo, kann Winkler nicht hoch genug angerechnet werden. [...] So reizvoll, ambivalent und perspektivenreich seine Konfrontation mit dem Ballett «La Fille mal gardée» auch sein mag: «schlecht behütet» ist seine Tochter jedenfalls nicht. Hartmut Regitz – tanz August 2015

"Mit fließenden Bewegungen schwebt das Mädchen zu den Tönen der klassischen Musik. Vor der Leinwand dreht es sich ruckartig um, die traditionellen Ballettschritte gehen in einen betont lässigen Hip-Hop-Gang über. Boxend schreitet es aufs Publikum zu, dann zeigt es aufreizende Posen, um schließlich ins Stadium eines Grimassen schneidenden Kleinkind zurückzufallen. Lustig sieht das aus. Nein, böse kann das nicht gemeint sein. Das ist Spiel, Fantasie, Lebenslust, das regt zum Lachen an. Aber es verstört auch. Wer ist dieses Mädchen? Was will sie? Weiß sie überhaupt, was sie will?

Mit Emma Daniel hat Christoph Winkler eine hervorragende Darstellerin gefunden. Das kleine Kind nimmt man ihr genauso ab wie den Teenager, virtuos wechselt sie von einem Tanzstil zum nächsten. Und ihr Gesicht: Niedlich kann es schauen genauso wie orientierungslos oder verletzt. Aber auch bitterböse.” - Berliner Morgenpost

"Wenn Künstler persönliche Dinge auf die Bühne bringen und dies kenntlich machen, hat das, jenseits von Extrem-Performances, oft etwas Peinliches. Die Distanz fehlt, jemand gibt den Schutz seiner persönlichen Sphäre auf, und die Zuschauer werden zu unfreiwilligen Voyeuren. Für diese Art von Fallen ist Christoph Winkler viel zu klug. Was er mit seiner Tänzerin auf die Bühne bringt, ist ein klares, in sich geschlossenes Werk, eine tänzerisch-psychologische Studie mit auf eine Leinwand projizierten Analysen und Statistiken. […]

Was heißt es, wenn einem „Urvertrauen“ fehlt, wenn man sich nicht sicher fühlt in der Welt, sich unaufhörlich auf unsicherem Terrain bewegt? Der Choreograf hat der Tänzerin Themen gegeben, und sie ist zu einem Spiegel geworden, mit dem Winkler die Geschichte neu erzählt, mit dem die Wirklichkeit neu angeordnet wird. Mit einer nur auf den ersten Blick absurden Verschränkung der heilen Prinzessinnen-Welt des Balletts mit einem persönlichen Thema." - Berliner Zeitung

Die Rolle des Vaters ist auf der Bühne allerdings nicht sichtbar. Sie hat zwar dem Blick auf das junge Mädchen die Perspektive vorgegeben; aber der Raum auf der Bühne gehört ihr allein. (…) Persönlich und distanziert zugleich ist diese Erzählweise. (Katrin Bettina Müller)

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