We are going to Mars

We are going to Mars

"Our spacecraft, Cyclops I, will soar into deep abysmal space beyond the epicycles of the seventh heaven" The Zambian Space Program Manifesto

2021

Über das Stück

Das Projekt geht von der Geschichte des ersten afrikanischen Raumfahrtprogramms in Zambia aus und untersucht wie sich die Rezeption dieser Story in den letzten fünfzig Jahren verändert hat. Darüber hinaus schlägt es die Brücke zum Wirken des afroamerikanischen Musikers Sun Ra, welcher sein Credo „Space is the place“ zur selben Zeit entwickelte. Die Kompanie arbeitet daher mit mit Künstler*innen aus Afrika und den U.S.A. zusammen, um sowohl die lokale Perspektive als auch die der Diaspora  auf das Ereignis zu ermöglichen.
In einem ersten Schritt entstanden musikalische Kompositionen, welche sich mit dem Thema auseinandersetzen. Die ugandische Band HHY & The Kampala Unit und das Musiker*innenkollektiv Mourning [A] BLKstar aus Cleveland haben verschiedene Musikstücke geschrieben und lokale Tänzer*innen eingeladen dazu Material zu entwickeln. Aus dem so entstandenen filmischen Material sind mehrere Videoarbeiten entstanden.

Die Geschichte

Im Jahr 1960 gründete Edward Mukuka Nkoloso, ein Lehrer und Ex-Revolutionär die Zambia National Academy of Science, Space Research and Philosophy. Das vornehmliche Ziel dieser Akademie war es ein eigenes, afrikanisches Raumfahrtprogramm zu starten, um den Mond und den Mars zu erreichen und somit in das damalige „Space Race“ zwischen den U.S.A. und der Sowjetunion einzusteigen. Auf einer abseits gelegenen Farm trainierte er mit seinen „Afronauts“ die alle auch noch in der Band „The Dynamite Rock Music Group“ spielten an selbstgebauten Geräten.

So simulierten sie beispielsweise Schwerelosigkeit in dem sie von dem höchsten Punkt einer Schaukel absprangen oder rollten in einem Ölfass einen Hügel hinunter. Sie lernten auf den Händen laufen, weil das ihrer Meinung nach, die einzige Möglichkeit ist sich auf dem Mars fortzubewegen. Gemeinsam bauten sie eine Rakete, die D-Kalu 1 und hofften mit dieser am 24. Oktober 1964 dem Tag der sambischen Unabhängigkeit ins All zu starten. Die Rakete sollte gelenkt werden von der 17jährigen Matha Mwambwa, der einzigen Frau im Team.
Darüber hinaus sollten noch zwei Katzen und Cyclops, der Hund von Nkoloso ins All geschossen werden. Nachdem die sambische Regierung seinen Wunsch abgelehnt hatte, bat Nkoloso die UNESCO um einen Zuschuß von sieben Millionen sambischen Pfund was diese jedoch verweigerte. Durch den Mangel an Geld und die Schwangerschaft von Matha Mwambwa endete das Programm im Jahre 1969 ohne den erhofften Erfolg.

“Two of my best men went on a drinking spree a month ago and haven’t been seen since . . . Another of my astronauts has joined a local tribal song and dance group.”

Überraschenderweise taucht vierzig Jahre später ein Ausschnitt eines kurzen Interviews der Agentur Reuter mit E. Nkoloso auf. Darin sehen wir einen lächelnden Nkoloso der mit Stahlhelm und Seidenumhang Auskunft über sein Programm gibt während der Kommentator in typisch kolonialer Attitüde seine Geringschätzung für das Projekt zum Ausdruck bringt. Von diesem Moment an beginnt sich die Wahrnehmung zu ändern:

„Some people think I’m crazy, but I’ll be laughing the day I plant Zambia’s flag on the moon.”

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